Vorwort zu Rustys Tagebuch

 

Auch für Rudi und Nele gab es ein Happy End.

 

 

Rudi:

 

Er hat mehr als 4 Jahre in einem Tierheim verbracht. Im November 2005 kam er, ca. acht Jahre alt, zu seinem jetzigen Frauchen. Einfach nur ein Hund zum lieb haben.

 

 

Nele:

 

Lebte 4 Wochen im Tierheim Uelzen, ist 1 bis 2 Jahre alt und war völlig verängstigt.

Sie ist nachweislich lange herum gestreunt, war ganz auf sich gestellt und hatte Angst vor Menschen, Hunden und lauten Geräuschen. Was mag sie alles erlebt haben.

Januar 2009: Nele zieht bei Frauchen (inzwischen in Altersteilzeit) und Rudi ein. Es dauerte Monate, bis aus ihr eine freie, fröhliche und verschmuste kleine Maus wurde. Rudi als „souveräner Zweithund“ hat seinen Anteil daran!

Wie oft höre ich von Bewohnern hier im Ort: einen Hund wie Rudi hätte ich auch gerne.


                   Ja ihr lieben Leute, im Tierheim warten solche Schätze!!

 

 

Nur was nützt  alles Engagement der Tierheimmitarbeiter, alle freiwillige Arbeit, alle Fürsorge, wenn es zu wenig gute neue Zuhause gibt??

 

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R u s t y` s   T a g e b u c h 

Sonntag, 02.05.2010,  10 h Mühle:

Rusty kommt mit seinem Betreuer aus dem Tierheim Uelzen.

Rudi und Nele haben bereits mit Frauchen ihre Runde um den Mühlenteich absolviert.

 

 

Nun also Rusty! Ob sich die drei vertragen werden? Ob Rusty mich vom Gassigehen vor einem Jahr wieder erkennt?

Alles geht gut. Rusty geht mit Herrn Mißfeldt, schaut aber auch zu Rudi, Nele und mir. Und mit Leckerlis geht sowieso alles besser.

Zweite Runde gemeinsam. Rudi ist ziemlich fertig – 13 Hundejahre sind auch kein Pappenstiel.

Frauchen traut sich alleine mit drei mal vier Pfoten nach Hause (ca. 10 Minuten). Herr Mißfeldt erwartet uns dort. Rusty inspiziert alles – weder Rudi noch Nele machen Stress, er schaut zufrieden. Alles geklärt, Rusty bleibt in seinem neuen Pflegeteam.

Nun bin ich allein mit meinen drei Teufelchen…was tun? Am besten den ganz normalen Tagesablauf.

Die Sonne scheint – also gegen 12 h Liegestuhl auf dem Balkon und Zeitung lesen. Alle Türen im Haus sind offen. Rusty legt sich ganz entspannt an meine Füße, Nele bleibt unten, Rudi macht es sich in Frauchens Bett bequem.

Vor dem Mittagessen mit Nele und Rusty Ball spielen und toben – Rudi bleibt lieber im Bett.

Am frühen Nachmittag eine halbe Stunde durch die Felder laufen – ohne Leine… alle sind lieb und total auf Frauchen fixiert. Rusty kneippt ein wenig in einem Wasserlauf (liebt er scheinbar sehr).

Anschließend kocht Frauchen Tee. Rusty unterm Tisch, nachdem er ordentlich durchgebürstet wurde, was ihm gut gefallen hat, Rudi und Nele im Flur.

17 h Gassi gehen im Mühlenwald, Freundin mit etwas eigenwilliger Hündin getroffen. Geht gut.

Nach Hause – Hunde und Frauchen sind müde… Ein wenig fernsehen, viel telefonieren wegen des „Neuzuganges“.

Kurz in den Garten, Pipi machen („nein Rusty, der Ball bleibt draußen“).

22 h Hundebett aus dem Tierheim vor der Balkontür drapiert. Neles Kuschelkissen kommt daneben. Rudi schläft sowieso im zweiten Polsterbett neben Frauchen. Zum Verständnis: Tatort ist das Schlafzimmer! Also: Hunde ins Schlafzimmer, Frauchen ins Bad.

Hoffentlich geht das gut – also ins Bett. Ich glaube es nicht!!! Rudi lang gestreckt auf Rustys Tierheimbett, Nele auf ihrem Kissen, und Rusty? Steht hinter der Tür, schaut mich mit großen Augen an: Frauchen und ich? Habe lange nicht mehr so herzlich gelacht!

Rusty legt sich auf den Teppichboden neben meinem Bett. „gute Nacht Rudi, gute Nacht Nele, gute Nacht Rusty“.

Irgendwann eingeschlafen, irgendwann aufgewacht. Vorsichtig nachgesehen.

Rusty und Rudi liegen neben mir im Bett – wie schön.

Um 6 h aufgewacht: Nele springt neben mir ans Kopfende. Auch gut. Kurz ins Bad, zurück: „Rudi, Nele, Rusty, Mama möchte noch ein bisschen schlafen!!“ Wird akzeptiert

 

Montag, 03.05.2010

 

8 h aufstehen:

üblicher Tagesablauf!

 

Rudi und Nele kennen das, Rusty muss es  noch lernen.

Ab nach unten, Hunde in den Garten, Pipi machen. Rusty nutzt es weidlich aus – meine armen Stauden. Zum Glück regnet es.

Küche, Kaffee aufsetzen, Hunde füttern. Alle schmatzen einträchtig nebeneinander.

Frauchen unter die Dusche, Hunde wuseln im Haus herum. Frühstück oben, alle drei sind um mich herum. Besonders Rusty sucht immer meine Nähe.

9 h Gassi gehen. Regenschirm und drei Hunde an der Leine – ich bräuchte vier Hände – aber es geht.

Rusty macht auf dem ersten Grünstreifen neben der Strasse sein großes Geschäft. Zum Glück kein Durchfall. Frauchen hat eh` immer Notfalltüten in der Tasche.

Rund um den Mühlenwald – ohne Leine. Alle drei superlieb. Rusty orientiert sich an Nele, sie kommt schon auf Räuspern angeflitzt. Klar – die Leckerlis! Rudi praktiziert seinen Altersstarrsinn und trottet hinterher.

Ist Rusty angekommen? Sagt er sich: hier will ich bleiben? Scheint so. Er ist einfach ein Traum – ein Teddybär.

Manchmal, wenn ich schreibe oder in Gedanken bin, erschrecke ich fast, wenn plötzlich so ein Riese neben mir steht. Ich liebe große Hunde! Aber erstmal doch gewöhnungsbedürftig. Rudi und Nele sind eben etwas „zierlicher“. Abspecken müsste Rusty – aber das schaffen wir schon.

Zurück zum Spaziergangs Ende. Alle drei trocken gerubbelt.

Jetzt ein Test: Kann Rusty-Bär alleine bleiben? Kleiner Gang zu Schlecker im Ort, ca. 2o Minuten, Kauknochen kaufen. Was erwartet mich? Haus neu dekoriert? Beißerei? Nee: drei Hundeschnauzen hinter der Tür. Mama ist wieder da! Nichts passiert!!

Nach oben (inzwischen kennt Rusty diese Worte) und Kauknochen verteilen. Rudi mag nicht wirklich (alter Hund, alte Zähne – nee, keine Lust). Rusty und Nele nagen lautstark. Hmm – lecker.

Aber dann!! Rudi bei Frauchen unterm Tisch, Knochen vor der Nase. Rusty ist als erster fertig. Man könnte ja ´mal Rudis Knochen holen..? Bravo Rudi, lautes Anknurren, Rusty sofort zurück. Schließlich ist Rudi hier der Älteste, und das akzeptiert auch Rusty-Bär. Okay, das ist geklärt.

Es gibt keine weiteren Neuigkeiten.

-          Außer, dass Rusty mit unkastrierten Rüden nicht unbedingt eine Freundschaft eingehen möchte, wie wir beim Abendspaziergang festgestellt haben. Schade: aufpassen.

-          Außer, dass Rusty heute (Dienstag) bereits eine Stunde mit Nele und Rudi allein geblieben ist.

-          Außer, dass Rusty  - nach drei Tagen – sofort „Sitz, Platz, Bleib, nach oben, Fuß bzw. Langsam“ beherrscht.

   

Rusty ist eine Bereicherung! Auch wenn manche „angebliche Freunde“ das     nicht verstehen. Egal, solche Menschen brauchen wir vier nicht.

Die echten Freunde finden es gut, dass Rusty-Teddy hier ist!! Er findet das auch gut!

 

Sonntag, 09.05.2010

 

Heute ist  Rusty  seit einer Woche Hausgenosse. Frauchen und Rusty haben haben sich besser kennengelernt, Rudi und Nele sind nach wie vor mit dem Neuen einverstanden.

 

Zwei Brennpunkte arbeiten wir ab:

 

Platzkämpfe zwischen meinen beiden Herren um die Sofaecke. Die findet      auch mein Riesenbaby toll. Also eingreifen: Rusty runter und Platz! Rudi darf wieder in “seine Ecke“, er hat schließlich die älteren Rechte.

Sonst alles friedlich.

Andere Rüden: an der Leine, na ja.. Inzwischen kennt er bereits Lucky, Fiete, Frido – ohne Leine kein Problem. Rusty meidet Streit. Hündinnen findet er alle toll.

 

Rusty ist angekommen. Er lernt schnell, er befolgt alle Kommandos, kennt den Tagesablauf, bleibt mit seinen neuen Freunden inzwischen bis zu drei Stunden im Haus, schließlich kann Frauchen nicht den ganzen Tag Hunde hüten.

Zweimal täglich eine Stunde spazieren gehen, Ball spielen im Garten und sonst immer Frauchens Nähe suchen – Rusty ist ausgelastet.

Von wegen an der Leine ziehen. So etwas hat mein Riesenteddybär gar nicht mehr nötig. Meist läuft er ohnehin frei, kommt sofort auf Zuruf. Nur wenn er „Zeitung liest“ sind die Ohren auf Durchzug geschaltet… Macht aber nichts, Rudi braucht ab und zu ohnehin eine Verschnaufpause und Nele wartet gerne auf ihren neuen Verehrer.

Rusty ist lieb zu allen Menschen, auch zu Kindern – ganz souverän. Schade dass er so eine unschöne Vergangenheit hatte. Dafür ist seine Hundewelt  jetzt in Ordnung.

Abendliches Ritual: Hunde sind müde, Frauchen liest, schreibt oder sieht fern. Rudi liegt in seiner Sofaecke, Rusty unterm Tisch zu Frauchens Füssen (am besten noch den schweren Kopf drauflegen!), Nele liegt davor.

Eine Katze würde schnurren. Da Rusty aber ein Hund ist, brummt er ganz tief vor sich hin. Herrlich, so etwas kannte ich bisher nicht.

Auch wenn drei Hunde bezüglich der Mobilität einige Einschränkungen (Urlaub, Verabredungen, etc.) mit sich bringen:

Mein Riesenteddybär Rusty gehört hoffentlich noch recht lange zur „Familie“.

 

Seit dem letzten Eintrag in Rustys Tagebuch ist einiges passiert.

Rusty war nach einigen Tagen wohl fühlen hier bei uns der Ansicht: jetzt werde ich Chef!! Rudi wurde beiseite geknurrt, Nele als tolles Mädchen natürlich nicht.

Andere Rüden – mag er auch nicht wirklich.

So nicht, Rusty!! Besprechung mir Robooms und Harald Mißfeldt: Rusty wird kastriert.. ja, das hast Du nun davon.

 

Freitag, 14.05.2010

 

7.30 h Termin beim Tierarzt, zu Fuß ca. 5 Minuten zu gehen. Aber, vor dem Tor liegt ein großer Berner Sennenhund auf Freierfüßen. Die Hündin vom Tierarzt ist läufig.

Rusty, ne da gehe ich nicht vorbei, will keinen Stress! So ein Vierzigkilo – Hundepaket entwickelt schon Kraft. Frauchen kann die Leine nicht mehr halten. Tierarzt in der Tür – und nun?

Zurück nach Hause, atemlos – da sitzt mein Teddy vor der Haustür und freut sich, als ob er mich ewig nicht gesehen hätte.

Durchgeatmet, Hund ins Auto, zurück zum Tierarzt. Berner Sennenhund weggescheucht – so Rusty…. Nun wird es ernst.

12 h Rusty abgeholt, mein Bär ist noch etwas dösig und wackelig auf den Pfoten.

Bis zum Fäden ziehen am Pfingstsamstag lief alles ruhig. Außer dass Rusty mit seiner Tröte um den Hals nicht gerade sensibel mit der Einrichtung umging und auch sonst – pardon – ein kleiner Poltergeist wurde. Rudi fühlte sich allerdings weitaus sicherer.

Aber zurück zum Pfingstsamstag. 12 h zu Fuß zum Tierarzt. Rusty – nein! Da war doch was!? Ich will zurück nach Hause.

Frauchen stemmt sich mit beiden Füßen ab und versucht, Rusty weiter zu bewegen. Immer wieder ein paar Meter, aber dann ist Schluss.

Zum Glück kommt ein kräftiger Herr aus dem Blumenladen. Ich: „ Bitte, ich kann den Hund nicht mehr halten “. Herr: „ Beißt er ?“ „ Nein, er will nicht zum Tierarzt „. Die letzten Hundert Meter gemeinsam – geschafft. Frauchens Herz rast.

Aber bitte, warum ist die Praxis am Pfingstsamstag so voll? Zum Schluss sind es zwei Rüden, zwei Hündinnen, eine Katze. Gejaule, Gekläffe – nur Rusty sitzt brav an meinem Stuhl, macht Platz. Vielleicht merkt er, dass Frauchen am Ende ist.

Beim Fäden ziehen zeigt Rusty allerdings deutlich seinen Unwillen. Kommentar des Tierarztes: Dich kastriere ich nicht noch einmal. Wird ja auch nicht nötig sein. Mit ein paar Leckerlis ist wieder Frieden.

Inzwischen geht es Rusty gut, er scheint etwas ruhiger zu werden – und er bekommt endlich Taille – (37,5 kg).

PS: Frauchens geliebte Kulturelle Landpartie und die „ Mützingenta „ mussten in diesem Jahr ohne uns stattfinden. Schließlich sind Rusty & Co wichtiger…

 

Samstag, 05.06.2010

 

Um 9 h  kommt der Hundetrainer zu uns.

   Rusty ist doch nicht nur mit  Liebe, Leckerlies und sanfter Stimme zu erziehen. Eben ein echter Schäferhund mit Charakter – und eine neue Herausforderung.

 

   Frauchen muss lernen!

   Es waren aufschlussreiche zwei Stunden mit Gassi gehen (Rudi und Nele waren dabei) und danach intensive Gespräche vor Ort, sprich im „Brennpunkt Haus“.

   Unglaublich, was der überaus kompetente und sympathische Trainer (die Telefonnummer gebe ich gerne weiter) beobachtet hat.

   Oh je, was habe ich unwissentlich alles falsch gemacht? Rusty kontrolliert mich, ist ständig in meiner Nähe. Ich dachte immer, er liebt sein neues Frauchen – klar tut er das. Nur: er ist nicht sicher, ob er die Rudelführung übernehmen muss.

   Also, künftig ist Frauchen Chef! Körpersprache, Hund mal aussperren, ignorieren. Klare Ansage: Rusty, Frauchen ist hier Rudelführer.

   Das bringt Entspannung für uns alle. Fällt mir nicht leicht – aber da muss ich durch.

 

   Dienstag, 08.06.2010

 

   Erste Erfolge! Rudi verzieht sich nicht mehr sofort in seine Schlafzimmerecke, Rusty tappst nicht ständig um mich herum, manchmal liegen beide Herren sogar nebeneinander im Bett…

 

 

 

Gassi gehen: Sobald Rusty vorgeht und alles markiert – kurzer Ruck an der Leine – ohne Worte. Die Leine hängt wieder locker.

Andere Rüden: Etwas beiseite gehen, Rusty : sitz! Notfalls mit Leinenruck. Er legt sich sogar ab – geht doch.

                      Ballspielen im Garten: Frauchen holt den Ball nicht mehr, dreht sich um und zupft Unkraut. Rusty schaut blöd – und plötzlich liegt der Ball vor mir. Bravo! Dickes Lob und weiter spielen. Das Ganze von vorn – es klappt.

 

Alles nur Kleinigkeiten? Hört sich so einfach an. Nein, ich muss weiterarbeiten an der Einstellung, der Konsequenz, der „Rudelführung“.

 

Wie sagte der Trainer: Rusty ist einfach ein toller Hund (9 Jahre??) – er ist es wert!